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Wem echtes „Määnzer Blut“ in den Adern pulsiert, der lässt sich von keiner Macht abhalten, wenn mit der Rekrutenvereidigung die fünfte Jahreszeit in ihre entscheidende Phase eintritt. Am Fastnachtssamstag strömen die Menschen zum Staatstheater. Man erwartet den Einzug der närrischen Rekruten, die auf Prinz Carneval und Gott Jocus vereidigt werden sollen, um sich zum Kampf gegen Mucker und Philister, gegen Nörgler und Mießmacher ins Konfettigewitter zu stürzen. Die weithin bekannte und einmalige Form der närrischen Rekrutenvereidigung in Mainz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erst langsam herausgebildet.
Für die ersten Jahrzehnte nach der 1838 reformierten Mainzer Straßenfastnacht ist für den Abend des Fastnachtssamstags höchsten ein Fackelumzug belegt. Am Nachmittag des Montages (heute: Rosenmontag), kam es zum Einzug und Empfang des Prinzen Carneval, später auch der (von einem Mann dargestellten) Prinzessin auf dem Theaterplatz, auf dem ein buntes Programm mit Gesang, Tanz und Spaß stattfand. Erst am Abend wurde die Regimentsfahne der Ranzengarde öffentlich geweiht und die Gardisten humoristisch vereidigt. Dieses Zeremoniell hat in der Rekrutenvereidigung bis auf den heutigen Tag Bestand.
Gleich im ersten Jahr ihre Bestehens, 1884, führte die Prinzengarde im Ablauf der närrischen Ereignisse am Fastnachtssamstag eine Neuerung ein: Am frühen Nachmittag empfingen die vom Bazillus Narrhallensis befallenen Mainzer Bürger das mit einem Boot namens Moguntia von Kostheim her kommende närrische Herrscherpaar Prinz Carneval und seine Prinzessin am Rheinufer und begleiteten es unter lautem Jubel zum Hof- und Residenztheater. Hier erwartete das Herrscherpaar, gemeinsam mit einer großen Menschenmenge und dem General der Prinzengarde, die einziehenden Rekruten, um diese zu vereidigen. Urwüchsig wie ihre Kehlen war auch das Lied, das sie von sich gaben: „Prinze’gardiste sein meer!“. An diesem Zeremoniell hielt man bis ca. 1939 fest. An der Vereidigung der Prinzengardisten nahmen auch Rekruten anderer Garden teil. Die Zeremonie der Rekrutenvereidigung entwickelte so schnell ein starkes Eigenleben.
Die Prinzengarde hielt stets und entgegen aller Widrigkeiten an dieser Zeremonie fest. Mit der Vereidigung der Rekruten, dem auf Prinz Carneval abgeleisteten Eid, dem Treueschwur zu Garde und Fastnacht sowie dem Abspielen von Märschen und dem Singen eigens komponierter Hymnen persiflierte man ganz bewusst das in Mainz – als alter Festungs- und Garnisonsstadt – immer wieder zu beobachtende militärische Gehabe.
Seit 1957 verläuft die Rekrutenvereidigung stets nach gleicher Tradition: Auf den Jugendmaskenzug folgen die Rekruten der Garden und sonstigen Korporationen, meistens von ihren uniformierten Trommler- und Musikzügen begleitet. Nach ihrem „strammen Aufmarsch“ vor der Tribüne am Staatstheater, leitet der Prinzengarde-General die Vereidigung mit folgenden Worten ein: „Rekruten! Wiederum sind die Mucker und Philister, die Erbfeinde unseres Prinzen Carneval! Dies darf nie und nimmer geschehen! (…)“
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